[ParentPreneur] – Wie junge Eltern den Kleiderschrankinhalt revolutionieren. Relisa.

Auf Instagram haben wir Saras und Patricks Projekt schon einige Male vorgestellt. Die Rede ist von RELISA Einem einst nur online existierenden Konzept, bei dem Kinderkleidung nicht nur gekauft, sondern auch gemietet werden konnte und natürlich noch immer gekauft werden kann. Doch in diesem Jahr haben sich die jungen Eltern einen Traum erfüllt und sind nun auch offline in ihrem eigenen großartigen Laden für Eltern und ihre Bedürfnisse zur Stelle. Doch, lassen wir sie einfach selbst einmal ihre Geschichte erzählen. Sara, Patrick – ihr habt das Wort:

Stellt Euch und Euren Service einmal kurz vor!

Wir sind Sara und Patrick, beide 34 Jahre alt und Teil einer Patchworkfamilie. Patrick hat 2018 die Hündin Lotta und Sara die Tochter Selina, damals 7 Jahre alt, mit in die Beziehung gebracht. 2020 kam dann die gemeinsame Tochter Aurelia zur Welt und das war auch der Startschuss für die Gründung des Projektes RELISA. Wir vermieten und verkaufen neuwertige Baby – und Kinderkleidung aus erster und zweiter Hand, bereiten diese immer wieder neu auf und haben damit ein nachhaltiges und umweltschonendes Kreislaufprinzip gestartet.

Was hat Euch dazu inspiriert, Euer eigenes Unternehmen zu gründen?

Beim ersten Kind war ich damals 23 Jahre alt und mir war es wichtig, dass meine Tochter alles neu hat. Angefangen von der Bekleidung bis hin zum Kinderwagen. Ich habe den Nestbautrieb völlig ausgelebt und musste leider schnell feststellen, dass sie einiges gar nicht oder sehr wenig getragen hat, weil sie zu schnell gewachsen ist :-/ Naja ich war halt jung. Als Patrick in mein Leben kam und wir ein gemeinsames Wunder erwarteten, habe ich mir schon viel bewusster überlegt was ich wo kaufe und durch Patricks Fabel für Second Hand war es logisch, dass wir vieles gebraucht gekauft haben. Ein Glück wie sich im Nachhinein herausstellte, denn Aurelia wuchs, dank Muttermilch, noch schneller als ihre große Schwester 😉 Die Idee Kinderkleidung zu vermieten hatte ich schon 2011 als die Große geboren wurde, leider fehlte mir das nötige Startkapital und ich war eben noch sehr jung. Das sah 2021 anders aus und ich holte meine Geschäftsidee erneut aus der Schublade. Patrick hat auch noch seine Ideen mit einfließen lassen und zack war die RELISA geboren.

Was war die größte Herausforderung bei der Gründung?

Das Kapital und das Wissen, dass wir Anfangs viel Zeit investieren und sicher auch eine Weile mit weniger Geld auskommen müssen. Die Organisation mit einem Schulkind, einem Kleinkind und dem Drumherum war auch nicht immer leicht, aber wir haben uns super aufgeteilt. Ich habe den Aufbau des Onlineshops und das operative Geschäft übernommen, Patrick die Care Arbeit mit den Kindern und den Haushalt. Wir haben bewusst die Rollen getauscht und sind heute noch sehr zufrieden damit.

Warum glaubt Ihr, dass viele Eltern in der Elternzeit über eine Selbständigkeit nachdenken?

In der Elternzeit wird einem erstmal bewusst, wie groß Zeit im Leben von Eltern eine Rolle spielt. Man wird ja quasi aus dem 9 to 5 Arbeitsleben gerissen und der Tagesablauf definiert sich völlig neu. Nun ist nicht mehr der Chef da, der den Ton angibt, sondern ein kleines, hilfebedürftiges Menschlein. Vor allem als Papa mit 2 Jahren Elternzeit und vorher in der Tätigkeit als Feuerwehrmann bei der Werkfeuerwehr im 24h Dienst ein neues Lebensgefühl. Wir glauben, dass es viele Eltern motiviert etwas an ihrer Work-Life-Balance zu verändern und sich bewusst für ein eigenes Projekt zu entscheiden.

Würdet Ihr alles noch mal so machen?

Ja genauso und immer wieder. Keiner von uns beiden hat es je bereut, wie wir uns entschieden haben. Wichtig ist immer im Dialog mit dem Partner zu bleiben. Keiner darf sein eigenes Ding durchziehen und den anderen dabei vergessen. Auch gemeinsame Zeit hilft uns dabei.

Was oder wer war Eure größte Hilfe. Wer hat Euch unterstützt!?

Bis dato kam die Unterstützung von einer Dame aus meinem Netzwerk, die ich letztes Jahr kurz nach unserer Gründung kennen lernte und die unsere Idee sofort gut fand. Sie nimmt die Rolle eines Business Angels ein und unterstützt in finanzieller Hinsicht. Beim Ladenbau hat ein lieber Freund aus meiner Ausbildung geholfen mit seinem Unternehmen. Alles andere haben wir ganz alleine aufgebaut. Der Großinvestor blieb bisher aus, aber was nicht ist, kann ja noch werden 🙂

Unsere Familien stehen natürlich auch voll hinter unserem Projekt und rühren oft fleißig die Werbetrommel.

Welche Tipps gibst du Mamas bzw Eltern, die sich selbstständig machen wollen?

Sucht euch auf jeden Fall Unterstützung in Form eines Coaches oder Mentors und baut euch ein Netzwerk von Businesspartnern auf. Ganz alleine ist es schwierig. Habt immer Plan B im Gepäck, falls die eigene Geschäftsidee nichts wird, aber vergesst nie an euch selbst zu glauben! Die Anfangszeit ist hart und es gibt auch oft Tiefpunkte wo man an sich und seiner Idee zweifelt, aber wenn man sich mit den richtigen Menschen umgibt, meistert man auch diese Herausforderungen.

Wie sieht Euer Tagesablauf als Eltern mit eigenem Business aus?

Als wir bis Mai diesen Jahres nur den Onlineshop hatten konnte ich ab und zu mal mit den Kindern einspringen, da ist Homeoffice echt praktisch – Nachteil die Kleine klopfte ständig an die Bürotür „Mama spielen“ 😉

Ich habe mich früh um die Große gekümmert mit Frühstück und Fahrdienst zur Schule und danach habe ich mich sofort an den Schreibtisch gesetzt, E-Mails bearbeitet und Bestellungen gepackt. Patrick hat die Kleine versorgt und geht seit ihrer Geburt jeden morgen bei Wind und Wetter mit Kinderwagen und Hund spazieren. Mittag essen wir gemeinsam, danach wieder ins Büro. Zwischendurch Hausaufgaben mit der Großen und gemeinsames Abendessen. Seit der Ladeneröffnung am 15.5.2022 sieht das ein wenig anders aus. Ich bringe nach wie vor die Große zur Schule, allerdings bin ich von 8.30-18.30Uhr im Laden und Patrick macht seit ein paar Wochen die Eingewöhnung mit der Kleinen. Mittags und Abends essen wir gemeinsam und das ist uns sehr wichtig. Jeder hat seine Redezeit und abends sehen wir uns wieder um den Tag gemeinsam ausklingen zu lassen. Das klappt meistens super!

Habt Ihr in Zukunft neue Services geplant?

Wir werden unser Modell in Zukunft in 2 Sparten teilen: RELISA Baby bis Gr. 110/116 Vermietung und Verkauf und RELISA Kids ab Gr. 128-164 allerdings nur als Verkauf. Außerdem planen wir gerade daraus ein Franchisemodell zu kreieren, damit auch andere sich mit unserer Geschäftsidee selbst verwirklichen und gründen können.

Wieso gerade Kinderkleidung mieten? Was beinhaltet Euer Sortiment?

Kinder wachsen doch viel zu schnell aus ihrer Kleidung heraus. Egal ob Body, Hose oder T-Shirt, man hat die Kleidung nur für einen überschaubaren Zeitraum und schwuppdiwupp passt nix mehr oder die Saison ist vorbei siehe Schneeanzug im Winter oder UV Schutzkleidung im Sommer. Zuhause stapeln sich die Kleiderberge und man hat doch nie so wirklich Lust und Zeit alles zu verkaufen, oder? Daher bieten wir den Rund-um-Sorglos Service. Ab dem Zeitpunkt wo das Baby geboren wird, sogar schon als Frühchen mit Gr. 38 bis es fast in die Schule kommt, können Eltern den Kleiderschrank ihrer Kinder monatlich durch uns ergänzen oder komplett ersetzen. Wir bieten alles was die Kinder in der richtigen Saison benötigen und immer wenn es nicht mehr gebraucht wird, geht es an uns kostenfrei zurück, auch mit Flecken, Löchern oder sogar ungewaschen. Ergänzend bieten wir auch ein paar Pflegeprodukte wie Seifen und Zahnbürsten, das richtige ökologische Waschmittel und seit neuestem sogar Barfußschuhe. Im Grunde von Kopf bis Fuß vom Frühchen bis zum Kleinkind.

Wie hat sich Eure Selbstständigkeit durch den Laden verändert?

Der Tagesablauf ist jetzt ein anderer und der direkte Kontakt zur Zielgruppe auch intensiver. Bisher waren es anonyme Onlinekunden, jetzt kommen Eltern mit Kindern in den Laden, geben direktes Feedback, können die Kleidung anfassen, anprobieren und man kann ihnen das Prinzip auch besser vermitteln. Wir denken, dass der Laden nochmal einen Anschub gibt, um uns auch regional zu etablieren. Bisher haben wir auch nur positives Feedback erhalten und jeder ist begeistert von dem etwas anderen Second Hand Kinderladen.

Mietet Ihr selbst auch Produkte?

Na klar. Moment….Kaffeemaschine, 2. Laptop, Buggy für die Kleine, Fahrradanhänger und sogar unsere komplette Ladenausstattung inkl. Elektronik läuft über einen Mietvertrag. Also wir leben das Mieten, denn gerade Dinge, die man vielleicht nur kurz benötigt und das Eigenkapital stark belasten lohnen sich zu mieten. Und man glaubt gar nicht, was man mittlerweile alles mieten kann.

Kaufst du noch oder mietest du schon? 😉